Machthaber posieren in vollem Ornat oder auf dem Schlachtfeld, verschlungene Waldwege führen in die romantische Natur, in bürgerlichen Interieurs wird gelesen, musiziert, posiert. Reiche und Arme suchen den manchmal gefährlichen Strand auf, während Kühe und Schafe friedlich auf einer saftigen Wiese oder im Moor grasen. Nicht nur das Jahrhundert von Rembrandt war eine große Blütezeit niederländischer Kunst . Auch das 19. Jahrhundert kennzeichnet sich durch eine hohe Produktivität und Vielseitigkeit im künstlerischen Bereich. Bei einem Rundgang durch das Rijksmuseum gibt es davon Säle voll zu entdecken.
Von Waterloo bis zur Haager Schule
Zu Beginn des Jahrhunderts entstand das niederländische Königreich und aus dieser Zeit besitzt das Rijksmuseum beachtliche Porträts von bedeutenden Führern wie König Wilhelm I. der Niederlande und Louis Napoleon, Bruder des ebenso auf Leinwand vertretenen Kaisers Napoleon und als König von Holland quasi Vorläufer von Wilhelm I. Lebensgroße Bildnisse, die uns von der Autorität dieser Männer überzeugen sollen. Diese Porträts werden im ersten Stock des Rijksmuseums von dem größten Gemälde der Sammlung begleitet: die Schlacht von Waterloo von Jan Willem Pieneman.
Bürger und Bauern
Auch bourgeoise und weniger politische Themen sind beliebt und wir erhalten detaillierte Einblicke in die bürgerliche Welt des 19. Jahrhunderts. Alltägliche Genreszenen und Landschaften sind oft der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts verpflichtet. Die Landschaft bleibt ein wichtiges Thema in der niederländischen Malerei und einer der erfolgreichsten Vertreter dieses Genres wurde in der niederländischen Provinz Seeland geboren: der Maler Barend Cornelis Koekkoek, der später jenseits der Grenze in Kleve zu einer Berühmtheit und sogar zum Stammvater einer regelrechten Dynastie von Malern wurde.

Eine Landschaft im Winter, Detail eines Gemäldes von Barend Cornelis Koekkoek, 1835-1838, Rijksmuseum Amsterdam.
Doch nicht jedem war es vergönnt, in einem gut eingerichteten bürgerlichen Nest zu musizieren, sich in aller Ruhe anfallenden Näharbeiten zu widmen und schöne Kunstwerke an der Wand oder in Alben zu begutachten. Auch die Künstler des 19. Jahrhunderts begannen, sich für die Lebensumstände von Menschen zu interessieren, denen es weniger gut ging. Der Realismus als Bewegung in der bildenden Kunst entstand und Maler richteten ihre Aufmerksamkeit auf einfache Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch harte Arbeit auf dem Feld oder an der Küste verdienen mussten.

Jacob Maris, Ankunft der Boote, Gemälde von 1884 im Rijksmuseum Amsterdam.
Die Haager Schule, Landschaften und Stadtansichten
Unter anderem inspiriert durch die Entwicklungen in Frankreich – man denke an die einflussreiche so genannte Schule von Barbizon – entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Bewegung in der Landschaftsmalerei: Künstler begaben sich in die Natur und hielten beeindruckende Motive an Ort und Stelle fest. Die Führung hält auch bei dieser wichtigen Entwicklung in der Malerei inne. In den Niederlanden entstand daraus die Haager Schule, eine Gruppe von Malern, die ebenfalls viele Landschaftsgemälde schufen und beileibe nicht nur in Den Haag und Umgebung tätig waren. Diese Werke kennzeichnen sich oft durch gebrochene Farbtöne und grauen holländischen Himmel, auch wenn man nicht alle Maler dieser Bewegung über einen Kamm scheren sollten. Das Interesse am einfachen Leben legte den Grundstein dafür, dass die Maler dieser Generation auch bis dahin weniger bekannte Gegenden der Niederlande erkundeten – Orte wie Oosterbeek und Wolfheze, Scheveningen, Laren oder Katwijk, die als besonders malerisch empfunden wurden.

Anton Mauve, eine Schafherde auf der Heide bei Laren, 1887, Rijksmuseum Amsterdam.
Eine expressive junge Generation: Breitner, Isaac Israels, Van Gogh
Der schon zu seiner Zeit hoch geschätzte Jozef Israëls wird allgemein als Nestor der Haager Schule angesehen. Neben ihm gelten Anton Mauve, die Brüder Maris und Hendrik Willem Mesdag als bekannte Vertreter dieser Gruppe von Realisten, Pleinair-Malern und Impressionisten der niederländischen Kunst. Die nächste Generation brachte eher expressionistische Künstler wie George Hendrik Breitner und Isaac Israels hervor, die beide heute von Kennern der niederländischen Kunst sehr geschätzt werden.

Aus diesem Blick auf Schiffe im Eis schuf George Hendrik Breitner 1901 eine Symphonie aus vertikalen Linien und Farbakzenten.
Und schließlich reihte sich auch Vincent van Gogh in die Riege der führenden niederländischen Maler ein, auch wenn er auf seine Anerkennung bis nach seinem Tod warten musste, bis seine Schwägerin Jo Bonger sein Werk mit unermüdlicher Energie bei einem breiteren Publikum bekannt machte.
Oft waren es – wie wir es traditionell kennen – Männer, die den Beruf des Künstlers wählten. Aber in den Niederlanden gab es im 19. Jahrhundert auch einige außergewöhnliche Frauen, die sich als Malerinnen einen Namen machten. Die berühmteste unter ihnen ist wohl Therese Schwartze, eine außergewöhnlich begabte Porträtmalerin, die sogar vom königlichen Hof Aufträge erhielt.
Eine Führung im Rijksmuseum entlang eines abwechslungsreichen Jahrhunderts
Bei dieser Führung im Rijksmuseum lassen wir die Entwicklung der Kunst in den Niederlanden im neunzehnten Jahrhundert Revue passieren und richten wir unser Augenmerk auf einige Höhepunkte der Malerei des 19. Jahrhunderts.
Gewöhnlich ist es in den Sälen mit Kunst des 19. Jahrhunderts im Rijksmuseum ruhiger als beispielsweise in der Ehrengalerie. Es kann hier also einfacher sein, ungestörten Kunstgenuss zu erleben. Nutzen Sie diesen Vorteil und buchen Sie schnell Ihre Führung durch die niederländische Kunst des 19. Jahrhunderts im Rijksmuseum!
Termine nach Vereinbarung.

Eselreiten am Strand, Gemälde von Isaac Israels, Amsterdam, Rijksmuseum

Jozef Israëls, Szene in Laren, 1905, Ein Mädchen beim Kartoffelschälen in einem Hauseingang in Laren. Rijksmuseum Amsterdam.

